Sonnabend, 23. April 2011
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An dieser Stelle ist im Diarium (eine
Art Tagebuch) der Brüdergemeine Niesky
der erste Eintrag über den Bläserchor
vermerkt
Foto: Rolf Ullmann
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Die genauen Anfänge des Bläserchors
Niesky liegen im Dunkeln. Offenbar wurden schon 1744 die
ersten Instrumente Waldhörner und Trompeten
angeschafft, um die Gemeinde zu ihren täglichen
Versammlungen zusammenzurufen. Im Jahr 1746 ist das Blasen
zum Ostermorgen zum ersten Mal im Gemeinediarium dokumentiert:
Wir erwachten Ostern mit Freude, wo früh die
Gemeinde mit Trompeten und Waldhörnern geweckt wurde.
Im Kassenbuch der Gemeine, das von Johann Raschke geführt
wurde, ist für das Jahr 1747 eine Ausgabe für
die Anschaffung zweier Trompeten vermerkt.
Als 1750 die regelmäßige
Feier des Heiligen Abendmahls in Niesky eingeführt
wurde, lud ein Choral der Bläser die Gemeine zur Abendmahlsversammlung
ein. Um 1751 wurden die vorhandenen Instrumente um einen
Satz Posaunen und einige neue Trompeten erweitert. Von diesen
ersten Jahren an standen die Bläser in Niesky wie in
jeder anderen Brüdergemeine ganz im Dienst des geistlichen
Lebens: Sie weckten die Gemeinde zu den Festtagen, begleiteten
ihren Choralgesang und führten bei Begräbnissen
und am Ostermorgen den Zug zum Gottesacker an.
Auch bei besonderen Ereignissen im Gemeindeleben
waren die Bläser gefragt: bei Jubiläen und zur
Begrüßung von Gästen, aber auch bei der
Grundsteinlegung und Einweihung von Gebäuden. So wirkten
die Bläser bei den Feierlichkeiten rund um den Bau
des neuen Kirchensaals 1874/75 mit, was nicht nur in verschiedenen
Berichten, sondern auch in einem Foto von der Grundsteinlegung
dokumentiert ist.
Bei der Einweihungsfeier erhielten die
Nieskyer Bläser sogar Verstärkung aus den umliegenden
Gemeinden: Früh um 7Uhr wurde abwechselnd mit
den beiden neuen Glocken geläutet und von den vereinigten
Bläserchören geblasen. Als 1920 neue Kirchenglocken
angeschafft wurden, begleiteten nicht nur die Kinder der
Ortsschule, sondern auch die Bläser den Transport zur
Kirche.
Der Zweite Weltkrieg, der viele Häuser
um den Zinzendorfplatz in Schutt und Asche legte, verursachte
auch eine vorübergehende Pause für die Bläser.
Darüber heißt es im Jahresbericht von 1945: Entbehren
müssen wir noch unseren Bläserchor. Es fehlt wohl
nicht an Bläsern, aber es sind alle Instrumente verlorengegangen.
Herbert Kramer gibt sich Mühe, neue zu beschaffen.
Genauere Angaben finden sich im Lebenslauf von Carl Gottfried
Vollprecht, der die Bläserarbeit in der Nachkriegszeit
wieder aufbaute: Im folgenden Jahr beschloss der Ältestenrat,
den Bläserchor wieder erstehen zu lassen. Ich wurde
beauftragt, die Instrumente in Markneukirchen zu kaufen.
Durch die Mithilfe einiger Geschwister war es möglich,
dort Gegenleistungen zu machen. Nach zwei Monaten konnte
zur Einweihung des wiederhergestellten großen Saales
der Chor das erste Mal blasen. Es hatten sich einige alte
Bläserbrüder zur Verfügung gestellt und einige
Junge waren angelernt worden. Herbert Kramer, der die Leitung
des Chores hatte, trat aber schon nach einigen Monaten zurück.
Ich hatte nun mit einigen kürzeren Unterbrechungen
die Verantwortung für unseren Bläserchor und freue
mich dieses Auftrages und der Bereitwilligkeit der teils
noch recht jungen Bläser.
In den 1960er Jahren ging die Leitung
des Bläserchors an die junge Kantorin Monika Schordan
über. 1975 übernahm Armgard Brusch die Bläserabeit.
Die politischen Umstände in der DDR-Zeit und der kleiner
gewordene Chor schränkten die Bewegungsfreiheit des
Bläserchors ein, sodass beispielsweise das öffentliche
Aufblasen an Festtagen in der Stadt nicht weiter fortgeführt
werden konnte.
Nach der Wende wurde jedoch die Feier
der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 mit dem morgentlichen
Wecken der Einwohner durch den Bläserchor eingeleitet.
Im Jahr 1991 richtete Niesky den 24. Bläsertag der
Brüdergemeine aus, der über 250 Bläser aus
Ost und West zusammenbrachte. Als Armgard Brusch nach über
30-jähriger Tätigkeit die Leitung des Bläserchors
abgab, fand sich in dem Studenten Adrian de Haas ein engagierter
Spieler, der bereit war, den Chor vorübergehend zu
leiten. Seit 2006 liegt die Leitung unseres Bläserchors
in den Händen von Christiane Biedermann.
Ein großes Ereignis für den
Nieskyer Bläserchor ist über Pfingsten der Bläsertag,
ein internationales Bläserfestival, zu dem 250 Gäste
aus fünf Ländern erwartet werden. Geplant ist
ein großes Freiluftkonzert auf dem Zinzendorfplatz
am Pfingstsonntag, um 16 Uhr.
www.blaesertag2011.de